Home > Dies und Das > Parkplatz – Erlebnis

Parkplatz – Erlebnis

Feiertage sind etwas Sonderbares. Ganz ohne Vorzeichen sind sie plötzlich da und überraschen mich jedes Jahr ganz unerwartet wieder aufs neue. Und ebenso überrascht bin ich dann, wenn zu eben diesen Tagen immer wieder irgendwelche Verwandten und sonstigen Feiertagsgeschwüre ihren Besuch ankündigen oder gar unangemeldet einfach vor der Tür stehen.

Leider ist es da meistens so, dass eben diese Überfallkommandos lieben netten Besucher sich nicht mit ein paar geheuchelten Bekundungen der übergroßen Freude zufrieden geben. Nein, sie wollen etwas zu essen und zwar in rauhen Mengen und auch auch nur vom Feinsten und Besten wenns geht. Wie eine Heuschreckenplage fallen sie über den Kühlschrank und sämtliche Vorräte her und vertilgen auch noch den allerletzten und allerkleinsten Krümel an Essbarem.

In meinen Gedanken sehe ich diese Vielfraße armen Menschen, wie sie zu Hause vor ihrem Kalender setzten und wohlüberlegt vor jedem dieser Feiertage eine mindestens einwöchige Fastenzeit eintragen. Natürlich nur aus reiner Nächstenliebe, damit alle meine wohl gehüteten Lebensmittel nicht vielleicht verderben mögen. Ist das nicht lieb von Ihnen? Diese Schmarotzer!

Nun gut. Feiertage gehen vorüber und die Besucher ziehen wohlgenärt und mit teilweise offenen Hosenknöpfen wieder von dannen. Ruhe, endlich habe ich wieder meine Ruhe. – Das heißt, nicht ganz: aus den tiefen meiner anatomischen Struktur ertönt ein löwengleiches Brüllen und Knurren. Geräusche eben, mit denen mein Magen mir signalisiert, dass er doch gerne etwas zu tun haben möchte und mit etwas Nahrung versorgt werden will.

Folglich meldet sich also mein Jagdinstinkt und ich pirsche mich leise und vorsichtig an das Kühlmöbel heran, um in dessen Tiefen eine schmackhafte Mahlzeit zu erbeuten. Doch leider muss ich auf das Halali verzichten und blicke in eine weite, aber dennoch gut ausgeleuchtet, Leere hinein.

Aber zum Glück bin ich ja nicht nur Jäger, sondern auch Sammler. Und wo kann man die Köstlichkeiten des alltäglichen Bedarfs besser sammeln als in einem reichhaltig gefülltem Supermarkt?

Ja, und so hat es sich also ergeben, dass ich an diesem Morgen einen kleinen Ausflug zum hiesigen Konsumtempel gemacht habe, um meinen Bedarf an Nahrungsmittel zu decken und auch gleich wieder ein paar Vorräte einzukaufen. Schließlich kann ja immer mal Besuch vor der Türe stehen, und da muss man ja was anbieten können.

Nachdem ich einen guten Teil meines teuer verdienten Geldes gegen diverse Waren eingetauscht habe, bemerkte ich beim verstauen derselben in meinem Kraftfahrzeug, dass eine Frau mittleren Alters ebenfalls damit beschäftigt war, ihre Beute in ihr Auto zu stopfen, welches in der benachbarten Parklücke abgestellt war.

Da ich meine Einkäufe bereits im Laden in zwei mitgebrachte Stoffbeutel verstaut habe, und nicht wie diese gute Frau jeden Artikel einzeln in den Kofferraum packte, saß ich recht schnell auf dem Fahrersitz und wollte bereits mit dem Vorgang des Rückwärts ausparken beginnen.

Jedoch musste ich feststellen, dass sich inzwischen eine weitere Frau, zwecks längerem Gespräch, zu der eben erwähnten Stück-für-Stück-Einpackerin gesellt hatte. Mit wild gestikulierenden Händen und Füßen tratschen nun also diese beiden Weiber über Gott und die Welt. Leider stand dabei jedoch die eben diese erst kürzlich eingetroffene Sabbel-Tante dermaßen Ungeschickt in der Gegend herum, dass es mir unmöglich war, mein Verbrennungsmotobetriebenes Fortbewegungsmittel aus der Parklücke zu manövrieren.

Freundlich, wie ich bin, stieg ich also noch einmal aus, wünschte einen guten Morgen, gefolgt von den Worten “Entschuldigen Sie bitte, aber wären Sie wohl bitte so freundlich ein paar Schritte an die Seite zu gehen, damit ich den Parkplatz verlassen kann?”.  Leider musste ich jedoch auf Verständnis und die erhoffte Umsetzung meiner Bitte verzichten. Statt dessen erscholl die recht erbost klingen Stimme der im Weg stehenden Furie Dame “Das ist ein Parkplatz! Da haben Fußgänger immer Vorfahrt!”

Alle Diskussion und freundlichen Worte halfen ebenso wenig wie Beleidigungen und Drohungen, woraufhin ich mich wieder in mein Gefährt zurück zog und geschlagene 20 Minuten warten durfte, bis die beiden ***** ihren Kaffeeklatsch beendet hatten und mir endlich eine freie Fahrt ermöglichten.

Noch aus den Augenwinkeln nahm ich wahr, dass das streitsüchtige Weib selbst ein Automobil besaß und dieses nur wenige Meter weiter abgestellte hatte. Aufkeimende Rachegelüste ließen mich mein Auto wieder parken. Kaum ausgestiegen zücke ich mein Mobiltelefon und rief einen Bekannten an, dem ich noch keine Neujahrsgrüße habe zukommen lassen.

Wie es aber auf dem Lande hier so üblich ist, sind die Funknetze leider nicht wirklich gut ausgebaut und ich musste mir eine Stelle suche, an der der Empfang wirklich gut war und ich ohne Verrenkungen mein Telefongespräch führen konnte. Dummerweise war eben diese perfekte Stelle für meine fernmündliche Unterhaltung genau hinter eben diesem zuvor erwähntem Automobil des ebenso erwähnten Weibstücks.

Doch auch dieses mal war bei ihr nicht auf Verständnis zu stoßen. Selbst dann nicht, als ich ihr erklärte, dass wir uns auf einem Parkplatz befinden und ich als Fußgänger grundsätzlich Vorfahrt hätte. Jedoch ließ ich ihre Argumente an mir abprallen und behielt meinen Standplatz bei. Und Argumente hatte sie eine ganze Menge: Sie sei ja erstens eine Frau, hätte Termine und natürlich eine ganz schlimme Krankheit. Und überhaupt und sowieso wäre ich ja der Teufel in Person.

Leider machte nach rund 40 Minuten mein Handy-Akku schlapp, mir war kalt und Hunger hatte ich obendrein. Sonst, ja sonst, würde ich wahrscheinlich auch jetzt noch dort auf diesem Parkplatz stehen und meine Rechte als Fußgänger einfordern.

ähnliche Beiträge:

KategorienDies und Das

  1. Bisher keine Kommentare
  1. Bisher keine Trackbacks